100 Jahre Kapitalmärkte Schweiz – die unterschätzte Macht des Zinseszinses
- Costantino Lanni, CFA, FRM

- 4. März
- 2 Min. Lesezeit
Die kürzlich aktualisierte Langzeitstudie von Pictet zur Performance von Schweizer Aktien und Obligationen über den Zeitraum 1926–2025 liefert eindrückliche empirische Evidenz für die Mechanik langfristiger Kapitalmärkte. Langzeitstudie Pictet 2025. Was dabei besonders ins Auge fällt, ist der enorme Unterschied zwischen nominalen und realen Endwerten – und vor allem, wie sich scheinbar kleine Renditeunterschiede über lange Zeiträume dank der Macht des Zinseszinses zu gewaltigen Vermögensdifferenzen entwickeln.
Von 100 Franken zu 170’000 Franken
Wer hätte gedacht, dass aus 100 Franken im breiten Schweizer Aktienmarkt über diesen Zeitraum rund 170’000 Franken geworden wären. Das entspricht einer durchschnittlichen nominalen Rendite von etwa 7.75% pro Jahr. Auch Schweizer Obligationen erzielten über denselben Zeitraum eine respektable Rendite von etwa 4% pro Jahr. Auf den ersten Blick scheint der Abstand zu Aktien daher gar nicht so gross zu sein. Viele würden daher erwarten, dass auch ein Obli-gationeninvestment über ein Jahrhundert einen beträchtlichen Vermögens-zuwachs generiert.
Genau hier zeigt sich jedoch die oft unterschätzte Kraft des Zinseszinses.
Selbst scheinbar moderate Renditeunterschiede führen über lange Zeiträume zu enormen Vermögensdifferenzen. Während sich ein Aktieninvestment auf über 170’000 Franken entwickelt hätte, beträgt der Endwert eines Obligationen-investments lediglich rund 4’800 Franken. Der Unterschied entsteht nicht durch ein einzelnes gutes Jahr – sondern durch die kontinuierliche Wirkung der Rendite über viele Jahrzehnte.
Inflation – der stille Renditekiller
Ein weiterer zentraler Punkt ist der Einfluss der Inflation.
Nominal wirken die Vermögenszuwächse beeindruckend.Inflationsbereinigt relativiert sich das Bild jedoch deutlich.
Real verbleiben aus den nominalen Endwerten:
rund 26’000 Franken bei Aktien
lediglich etwa 750 Franken bei Anleihen
Ein erheblicher Teil der Rendite wird also über die Zeit von der Inflation absorbiert.
Inflation wirkt damit wie ein stiller Renditekiller. Sie reduziert Vermögen nicht einmalig, sondern über lange Zeiträume hinweg kontinuierlich.
Wenn zusätzlich Kosten dazukommen
Noch deutlicher wird dieser Effekt, wenn zusätzlich Produkt- und Verwaltungskosten berücksichtigt werden. Gerade bei Anlageklassen mit tieferen Renditen – wie Obligationen – bleibt nach Inflation und Kosten real oft kaum noch Vermögenszuwachs übrig. Kosten wirken ökonomisch wie negative Rendite.Und auch sie entfalten über den Zinseszins eine exponentielle Wirkung.
Die nachfolgenden Graphiken zeigen diesen Zusammenhang!

Fazit: Kleine Unterschiede, grosse Folgen
Wer den Zinseszinseffekt wirklich versteht, erkennt zwei zentrale Dinge:
➡️ Inflation und Kosten reduzieren Vermögen nicht linear, sondern exponentiell
➡️ Inflation können Anleger nicht kontrollieren – Kosten hingegen schon
Und genau hier liegt ein häufig unterschätztes Konzept.
Ein scheinbar kleiner Unterschied bei den Kosten:
0.1% Produktkosten
1.5% Produktkosten
entspricht einer Differenz von 1.4 Prozentpunkten pro Jahr.
Über 30 bis 40 Jahre ist das kein Detail, sondern ein massiver Unterschied im Endvermögen. Wer beispielsweise einen langfristigen Sparplan aufbaut und mit realen Aktienrenditen von etwa 5% pro Jahr rechnet, verliert durch einen Kostenblock von 1.5% einen grossen Teil dieses Ertrags. Nach rund 30 Jahren liegt die Vermögensentwicklung etwa 35% unter jener eines kostengünstigen Investments.
Kostenbewusstsein ist ein zentraler Erfolgsfaktor
Achten Sie deshalb bei der Produktwahl konsequent auf das Kosten-Leistungs-Verhältnis. Produkte, die keinen klar erkennbaren Mehrwert liefern, verlangen häufig hohe Gebühren, ohne tatsächlich zusätzliche Rendite zu generieren. Empirische Studien zeigen regelmässig, dass viele aktiv verwaltete Produkte langfristig hinter ihren Vergleichsindizes zurückbleiben.
Beim langfristigen Vermögensaufbau gilt deshalb mehr denn je:
Jeder Prozentpunkt zählt. Nicht kurzfristige Marktbewegungen entscheiden über den Vermögensaufbau – sondern Zeit, Zinseszins und Kostenkontrolle.

Kommentare